Medikamente und Sturzrisiko: Der unterschätzte Faktor im Alltag

Nicht jeder Sturz hat eine sichtbare Ursache. Häufig spielen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Medikamenten eine Rolle – ein Faktor, den Angehörige leicht übersehen. Was dahintersteckt und wie Sie das Thema ansprechen.

Medikamente und Sturzrisiko: Der unterschätzte Faktor im Alltag

Medikamente und Sturzrisiko: Der unterschätzte Faktor im Alltag

Wenn ein älterer Mensch stürzt, suchen Angehörige die Ursache meist im Raum: ein loser Teppich, eine schlecht beleuchtete Treppe, ein Kabel im Weg. Das ist richtig und wichtig. Aber es ist nur die halbe Geschichte. Ein erheblicher Teil der Stürze im Alter hat eine Ursache, die man beim Rundgang durch die Wohnung nicht sieht – sie steht im Medikamentenschrank.

Dieser Text erklärt, warum Arzneimittel das Gleichgewicht beeinflussen können, woran Sie Warnzeichen erkennen und wie Sie das Thema ansprechen, ohne jemanden zu bevormunden. Vorweg das Wichtigste: Es geht hier nicht darum, Medikamente schlechtzureden oder gar wegzulassen. Es geht darum, sie regelmäßig gemeinsam mit Arzt oder Apotheke zu überprüfen.

Warum Medikamente das Gleichgewicht beeinflussen

Sicheres Gehen ist eine erstaunlich komplexe Leistung. Der Körper gleicht dabei ständig Informationen aus dem Innenohr, den Augen, den Gelenken und den Muskeln miteinander ab. Das Gehirn verrechnet das Ganze in Sekundenbruchteilen zu einer Bewegung. Wird auch nur ein Teil dieser Kette gedämpft oder verlangsamt, wird das Gehen unsicher.

Genau hier setzen viele Arzneimittel an – manche gewollt, manche als Nebenwirkung. Sie können müde machen, die Reaktionszeit verlängern, den Blutdruck beim Aufstehen absacken lassen, das Sehen verschwimmen lassen oder den Flüssigkeitshaushalt verändern. Jeder dieser Effekte für sich ist meist harmlos. Problematisch wird es, wenn mehrere zusammenkommen.

Und das ist im Alter der Normalfall: Wer mehrere chronische Erkrankungen hat, nimmt oft mehrere Präparate gleichzeitig ein – manche vom Hausarzt, manche vom Facharzt, dazu vielleicht ein rezeptfreies Schlaf- oder Schmerzmittel aus der Apotheke. Niemand hat dann zwangsläufig den vollständigen Überblick. Fachleute sprechen von Polypharmazie, und sie ist einer der Gründe, warum das Sturzrisiko mit der Zahl der eingenommenen Präparate tendenziell steigt.

Welche Wirkungen typischerweise eine Rolle spielen

Ohne einzelne Präparate zu bewerten – das kann und darf nur die behandelnde Ärztin oder der Apotheker – lassen sich einige Wirkmuster benennen, die im Zusammenhang mit Stürzen immer wieder auftauchen:

  • Dämpfende Wirkung auf das Nervensystem. Schlaf- und Beruhigungsmittel, manche Mittel gegen Ängste oder Depressionen sowie starke Schmerzmittel können Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen herabsetzen. Besonders kritisch sind die Stunden nach dem Aufwachen, wenn die Wirkung noch nachhängt und der nächtliche Weg zur Toilette ansteht.
  • Blutdrucksenkende Wirkung. Beim schnellen Aufstehen kann der Blutdruck kurzzeitig zu stark abfallen. Die Folge ist Schwindel oder Schwarzwerden vor den Augen – häufig genau in dem Moment, in dem sich jemand vom Bett oder Sessel erhebt.
  • Entwässernde Wirkung. Sie erhöht den Harndrang, führt also zu mehr nächtlichen Wegen im Dunkeln, und kann den Flüssigkeits- und Mineralstoffhaushalt verschieben.
  • Wirkung auf Blutzucker und Sehvermögen. Unterzuckerung macht zittrig und unkonzentriert; manche Präparate können vorübergehend das Sehen beeinträchtigen.

Wichtig: Alle diese Medikamente werden aus guten Gründen verordnet. Ein unbehandelter Bluthochdruck oder eine unbehandelte Depression sind ihrerseits erhebliche Risiken. Die Antwort heißt deshalb nie „absetzen", sondern immer „überprüfen lassen".

Warum der Sommer den Effekt verstärkt

In heißen Wochen kommen zwei Dinge zusammen: Der Körper verliert über die Haut mehr Flüssigkeit, und viele ältere Menschen trinken zu wenig, weil das Durstgefühl im Alter nachlässt. Der Kreislauf steht dadurch ohnehin unter Druck. Wenn nun ein blutdrucksenkendes oder entwässerndes Präparat hinzukommt, kann derselbe Alltag, der im Winter problemlos funktioniert hat, plötzlich zu Schwindelmomenten führen.

Das ist kein Grund zur Panik, aber ein guter Anlass, die Medikation gerade in der warmen Jahreszeit einmal besprechen zu lassen – und darauf zu achten, dass ausreichend getrunken wird.

Warnzeichen, auf die Sie achten können

Sie müssen keine medizinischen Kenntnisse haben, um Veränderungen zu bemerken. Achten Sie im Alltag auf:

  • Schwindel oder Unsicherheit beim Aufstehen, besonders morgens oder nach dem Mittagsschlaf
  • ungewohnte Tagesmüdigkeit oder Wortfindungsprobleme
  • ein neues, vorsichtiges „Festhalten" an Möbeln beim Durchqueren des Zimmers
  • Beinahe-Stürze, die heruntergespielt werden
  • eine zeitliche Auffälligkeit: Die Beschwerden begannen kurz nach einer Umstellung der Medikation

Der letzte Punkt ist der aussagekräftigste. Wenn sich die Gangsicherheit innerhalb weniger Wochen nach einem neuen Rezept verändert hat, ist das ein sehr konkreter Hinweis, den Sie beim nächsten Termin ansprechen sollten.

Was Angehörige konkret tun können

  • Eine vollständige Liste erstellen. Alles aufschreiben, was tatsächlich eingenommen wird: verschreibungspflichtige Präparate, rezeptfreie Mittel, Vitamine, Pflanzliches, Tropfen, Salben. Gern einfach alle Packungen in eine Tüte legen und mitnehmen.
  • Einen Medikationscheck vereinbaren. Hausarztpraxis und Apotheke können die Gesamtliste auf Wechselwirkungen und Doppelverordnungen prüfen. Das ist ein etabliertes Vorgehen und keine Kritik an den behandelnden Ärzten.
  • Beobachtungen konkret schildern. „Ihm ist manchmal schwindelig" hilft wenig. „Seit gut zwei Wochen, immer etwa zwanzig Minuten nach der Morgentablette, muss er sich am Türrahmen abstützen" ist eine verwertbare Information.
  • Die Einnahme vereinfachen. Ein Wochendosierer, feste Uhrzeiten und eine gut lesbare Liste an der Küchenschranktür reduzieren Fehler deutlich.
  • Langsamer aufstehen üben. Erst aufsetzen, kurz sitzen bleiben, die Füße bewegen, dann erst aufstehen. Diese einfache Gewohnheit fängt viele Schwindelmomente ab.
  • Nachts Licht schaffen. Ein Bewegungsmelder auf dem Weg zur Toilette gleicht einen Teil des Risikos aus, das entwässernde Präparate mit sich bringen.

Wenn doch etwas passiert

Auch bei bester Vorbereitung lässt sich nicht jeder Sturz verhindern. Entscheidend ist dann, wie schnell jemand Hilfe holen kann – und ob das auch dann gelingt, wenn das Telefon in einem anderen Raum liegt.

Genau dafür ist NOA gedacht: Ein mobiler Notrufknopf, der am Körper getragen wird, löst auf Knopfdruck eine Kette aus. Zuerst werden die Menschen benachrichtigt, die im Alltag am nächsten dran sind – Familie, Nachbarn, Vertrauenspersonen. Reagiert niemand aus diesem Kreis, wird die 24/7-Notrufzentrale aufgeschaltet, damit niemand allein bleibt. Das Gerät funktioniert auch außerhalb der Wohnung, was gerade bei Schwindel auf dem Weg zum Briefkasten oder beim Einkaufen zählt.

Ein Notrufknopf ersetzt keinen Medikationscheck. Aber er verkürzt die Zeit zwischen einem Sturz und der ersten Hilfe – und diese Zeit ist es, die über den Verlauf entscheidet.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Setzen Sie verordnete Medikamente niemals eigenmächtig ab und ändern Sie keine Dosierung ohne Rücksprache. Wenden Sie sich bei Fragen zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.
Artikel teilen
Sicherheit für Ihre Angehörigen

Selbstständig bleiben — und im Ernstfall nie allein sein.

NOA verbindet im Notfall sofort mit bis zu drei Vertrauenspersonen — mit GPS-Standort, europaweit. Kein Smartphone nötig, monatlich kündbar.

  • Sofort einsatzbereit
  • Monatlich kündbar
  • Europaweit nutzbar
NOA ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine medizinische oder pflegerische Versorgung.